Unser Publikum liebt die leichte Kostschniering


Regisseur Günter Schniering über seinen Weg vom Schreibtisch zur Bühne


Wie wird aus einem Mitarbeiter der Ford- Finanzverwaltung eigentlich ein Regisseur?

Der Weg war vorgezeichnet. Ich hatte zwei Leidenschaften: Verkaufen und Bühne. Als kleiner Junge stand ich bereits vor Publikum. Und wurde mit 21 einer der jüngsten Sitzungspräsidenten im Kölner Karneval.
Vom Karnevalspräsidenten zum Regisseur war dann nur ein kurzer Weg?
Wie man es nimmt. Anfang der Sechziger wurde ich Teil des Ensembles, spielte sieben Jahre in Folge den jugendlichen Liebhaber. Dann kam die Anfrage des Kölner Kindertheaters Vera Berchem. Die Verantwortlichen kannten mich seit Jahren und wussten, dass ich gut mit Kindern umgehen konnte. So kam es dazu, dass ich dort zehn Jahre lang als Regisseur arbeitete.

Woher kommt das Regisseurs-Einmaleins?

Ich besaß 1970 bereits 20 Jahre Bühnenerfahrung, hatte vielen Regisseuren zugeguckt, bei ihnen abgeguckt und ein Gespür für Publikum und Timing entwickelt. Heute weiß ich nach zwei Minuten, wie die Zuschauer drauf sind und was wir tun müssen, um sie zu packen.

Dann kam der Ruf von Ford aus Niehl?

Ford-Freizeitorganisation und Ford-Theatergruppe haben mich 1980 gefragt, ob ich die Regiearbeit übernehmen will. Da habe ich nicht lange gezögert und zugesagt.

Wegen der zehn Jahre Kindertheater?

Und weil ich das Ensemble gut kannte. Da alle mit mir zusammenarbeiten wollten und wollen, bin ich seit 1980 der Regisseur.

Wie viele Stücke mussten über die Bühne gehen, bis das Zusammenspiel funktionierte?

Gleich meine Regiepremiere, „Familie Hannemann“, wurde ein Volltreffer: Stück klasse, Besetzung top, Publikum begeistert.

Reicht der gute Riecher bei der Stücke-Wahl?

Drei Monate sind es, in denen ich mir etwa 30 bis 50 Stücke für die neue Spielzeit ansehe. Hauptkriterien sind: Komme ich mit einem Bühnenbild aus? Habe ich die passenden Schauspieler? Sind genügend Gags drin?

Also läuft es immer auf Komödien hinaus?

Shakespeare ist fürs Ford-Theater nicht geeignet. Unser Publikum liebt die leichte Kost. „Ja, hat uns gut gefallen. Beim nächsten Mal aber bitte wieder ein Komödie“. Das bekamen wir zu hören, wenn wir etwas Ernsthafteres gespielt hatten. Und weil wir unsere Zuschauer ernst nehmen, servieren wir Heiteres.

Die Theatergruppe plagen Nachwuchssorgen. Kann wirklich jeder auf der Bühne bestehen?

Nein. Wir geben jedem die Chance, aber es muss auch etwas da sein – sie oder er muss im Interesse der Gruppe auftreten, über eine verständliche Aussprache verfügen und genügend Selbstbewusstsein besitzen, um sich nicht ständig an den Kulissen festzuhalten.

Welche Motivation ist da, um nach 40 Jahren Theatergruppe weiter zu machen?

Mir macht die Arbeit immer noch Spaß. Weil ich in zwei Jahren 70 werde, muss ich mich nicht in den Fernsehsessel zurückziehen. Ich würde auch keinem pauschal empfehlen, mit 70 den Führerschein abzugeben.